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Nationalpark-Dialog des Kreises Lippe zur Egge: Fragen und Gedanken

Wald mit blühendem Bärlauch

Nationalpark-Dialog des Kreises Lippe zur Egge: Fragen und Gedanken

Die Ausweisung eines zweiten Nationalparks beschäftigt viele Menschen in der Region.

 

Diese Plattform soll ein Forum sein für den Austausch unterschiedlicher Meinungen und Ansichten, ein Ort, an dem Fragen gestellt und beantwortet werden.

 

Das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr und der Kreis Lippe freuen sich sehr über Ihre aktive Beteiligung an diesem Prozess!

Herzlich willkommen zur Diskussion über einen möglichen Nationalpark Egge!

Wir möchten hier gerne mit Ihnen ins Gespräch kommen, um Informationen zu teilen, offene Fragen zu klären und Ideen sowie Argumente für oder gegen eine mögliche Bewerbung als Nationalpark-Kulisse zu sammeln.

 

Ihre aktive Beteiligung ist für den politischen Entscheidungsprozess von großer Bedeutung.

 

Über das Gebiet

Die für den Nationalpark angedachten Flächen im Eggegebirge, die ausschließlich in Besitz des Landes NRW sind, haben eine Gesamtgröße von ca. 12.400 ha und liegen in den Gebieten der Kreise Paderborn, Höxter, Hochsauerlandkreis und Lippe (siehe Karte). Davon sind zurzeit 71% als Naturschutzgebiet ausgewiesen, was für die Bildung eines Nationalparks eine sehr gute Grundlage schafft. Umgeben sind sie von weiteren Waldflächen in kommunalem und privatem Besitz.

 

Übersichtskarte der potenziellen Nationalparkkulisse auf Landesflächen

 

Biodiversität

Das Eggegebirge bildet zusammen mit Sauerland und Teutoburger Wald einen zusammenhängenden Biotopverbund von herausragender Bedeutung.

Die Vielfalt aus unterschiedlichen Waldtypen, Felsen, Mooren, Quellen und Fließgewässern ist Lebensraum für seltene und geschützte Arten. Bereits 2005 wurden weit mehr als 200 Arten der Roten Liste NRW nachgewiesen – unter ihnen Wildkatzen und das vom Aussterben bedrohte Haselhuhn.

Der natürliche Laubwaldanteil ist geprägt von unterschiedlichen Buchenwaldtypen, die mit weiteren Baumarten wie zum Beispiel Bergahorn, Süßkirsche, Eichenarten, Birken, Eberesche oder Esche koexistieren.
Laut einer aktuellen Erhebung von „Wald und Holz“ aus dem Jahr 2023 erstrecken sich auf gut 34% des Suchraums Nadelwälder, die erheblich geschädigt oder bereits abgeräumt und somit holzwirtschaftlich nicht nutzbar sind, aber für die Zukunft die Chance bieten, sich vielfältig und klimastabil zu einem natürlichen Mischwald zu entwickeln.

 

Warum ein Nationalpark?

Angesichts des dramatischen Rückgangs der biologischen Vielfalt brauchen wir neben den wirtschaftlich genutzten Flächen auch dringend Flächen, auf denen der Erhalt der Arten und Lebensräume die oberste Priorität haben. Dies geschieht in Nationalparken. Etwa 45% der untersuchten Tier-, Pilz- und Pflanzenarten stehen in Nordrhein-Westfalen auf der „Roten Liste“ – d.h. sie sind gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. Nationalparke sind die einzigen Schutzgebiete, die auf großer Fläche natürliche Dynamiken ermöglichen, und gleichzeitig dem Naturerleben, der Umweltbildung und Forschung dienen. Sie haben daher eine wichtige Funktion im Schutzgebietsnetz und sind von zentraler Bedeutung, um dem weiteren Verlust an Lebensräumen und Artensterben entgegenzuwirken. Naturwälder bieten wertvollen Lebensraum für viele seltene und spezialisierte Tier- und Pflanzenarten. Gleichzeitig bieten Nationalparke Chancen für eine nachhaltige Regionalentwicklung, wovon auch die umliegenden Städte und Gemeinden in wirtschaftlicher Hinsicht profitieren können.

 

Derzeit gibt es in Deutschland 16 Nationalparke – der Nationalpark Egge könnte der 17. sein. Sie sind Bestandteil des nationalen Naturerbes und ermöglichen eine nicht oder nur wenig vom Menschen beeinflusste Entwicklung der Natur. Hinzu kommen positive regionalökonomische bzw. touristische Effekte, insbesondere in strukturschwachen Regionen.

Ein Nationalpark und dessen Angebote (z. B. Besucherzentren, besondere Themenwege, geleitete Exkursionen) schaffen den Menschen besonders intensive, einzigartige Naturerlebnisse. Zugleich ist er quasi Freilandlabor und Lernort für natürliche biologische Prozesse, in dem die Anpassung der Natur an sich ändernde Umweltbedingungen beobachtet werden kann. Hierdurch lassen sich wertvolle Rückschlüsse auf Handlungsweisen des Menschen auch bei der Landnutzung anderer Flächen ziehen.

 

Offene Dialoge

Häufig gestellte Fragen

Welche Vor- und Nachteile hat ein Nationalpark im Bereich der Egge?

Während die Vorteile für die Arten und Lebensräume auf der Hand liegen, wissenschaftlich nachgewiesen sind und die touristischen positiven Effekte sich in allen bestehenden Nationalparken bestätigt haben, gibt es oft Vorbehalte seitens der Holzwirtschaft. Daten dazu finden Sie unten in der Linkliste und Erfahrungen z.B. aus dem Nationalpark Eifel (https://www.nationalpark-eifel.de).

Neben der überwiegenden Fläche an bewirtschafteten Wäldern, die für unsere Ansprüche an nachhaltige Rohstoffproduktion eine wichtige Rolle spielen, besteht Konsens, dass auch unbewirtschaftete Wälder für Arten- und Lebensraumschutz wichtig sind. So wurde in dem auf dem ersten Deutschen Waldgipfel vereinbarten Generationenvertrag zur Waldbewirtschaftung, der auch von den Verbänden der Holzwirtschaft mitgetragen und unterzeichnet wurde, der Konsens erzielt, 5% der deutschen Wälder aus der Bewirtschaftung zu nehmen. Der ebenfalls hier aufgeführten Formulierung, dass dem Staatswald dabei eine besondere Verantwortung zukommt, wird hiermit in der Egge Rechnung getragen.

Hier finden sich auch Antworten zur Jagd und zur Landwirtschaft im Umfeld von Nationalparken, die allgemein für alle Nationalparke in Deutschland gelten.

Was ist anders als in vergangenen Diskussionen um einen Nationalpark in OWL?

Anders als in den Diskussionen um einen Nationalpark im Bereich Teutoburger Wald und Egge in den vergangenen Jahren, bei der auch Privatwaldflächen in der Kulisse betroffen waren, bezieht sich die jetzige Kulisse ausschließlich auf Flächen, die sich im Besitz des Landes NRW befinden.

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